Pressemitteilung

27.02.2026 12:00 | Allgemein

Förderung des Modellprojekts „Jugend 2025“ beendet – Rückschritt für muslimische Jugendverbandsarbeit auf Bundesebene

Im Dezember 2025 hat das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend die Förderung des Modellprojekts „Jugend 2025“ beendet und einen Folgeantrag abgelehnt. Damit endet ein bundesweites Aufbauprojekt zur strukturellen Stärkung muslimischer Jugendverbände.

 

Förderlücke sollte geschlossen werden

Im Rahmen des Kinder- und Jugendplans des Bundes werden zahlreiche Jugendverbände strukturell gefördert. Der Bereich der muslimischen Jugendverbandsarbeit blieb jedoch über Jahre hinweg unberücksichtigt. Nach intensiven Gesprächen wurde 2023 mit „Jugend 2025“ erstmals ein Modellprojekt gestartet, um diese Förderlücke zu schließen.

Ziel des Projekts war es, unabhängige muslimische Jugendverbände beim Aufbau nachhaltiger Strukturen zu unterstützen und langfristig eine gleichberechtigte Teilhabe an etablierten Jugendförderstrukturen zu ermöglichen. Der Aufbau tragfähiger Verbandsstrukturen ist ein langfristiger Prozess, der Kontinuität erfordert.

 

Konkrete Folgen der Entscheidung

Mit dem Auslaufen der Förderung mussten zum 31.12.2025:

-          alle Mitarbeitenden der Geschäftsstellen (insgesamt 11 Stellen) entlassen werden,

-          laufende Verträge beendet werden,

-          geplante bundesweite Veranstaltungen und Bildungsangebote abgesagt werden.

Im Zeitraum 2023–2025 konnten im Rahmen des Projekts bundesweit tausende junge Menschen erreicht und zahlreiche Veranstaltungen, Qualifizierungsangebote und Vernetzungsformate durchgeführt werden.

Die nun getroffene Entscheidung führt zu einem abrupten Abbruch eines auf Nachhaltigkeit angelegten Strukturaufbaus und zum Rückwurf auf die reine Ehrenamtlichkeit.

 

Rechtlicher und gesellschaftlicher Rahmen

Gemäß § 12 des Sozialgesetzbuch Achtes Buch (SGB VIII) ist der Bund verpflichtet, unabhängige Jugendverbandsarbeit zu fördern und die eigenverantwortliche Tätigkeit junger Menschen zu unterstützen. Dazu gehört auch die Sicherstellung von Teilhabegerechtigkeit.

Muslimische Jugendverbände vertreten junge Menschen, die einen festen Bestandteil der deutschen Gesellschaft bilden. Eine strukturelle Nicht-Berücksichtigung auf Bundesebene widerspricht dem Anspruch gleichberechtigter Förderung, weil sie Jugendverbände von dauerhafter institutioneller Unterstützung ausschließt. Dadurch entstehen ungleiche Rahmenbedingungen, die sich langfristig auf Sichtbarkeit, Professionalisierung und Teilhabechancen auswirken. Derzeit erhält kein muslimischer Jugendverband auf Bundesebene eine Förderung.

 

Stellungnahme der AGMJ

„Mit der Beendigung der Förderung wird ein wichtiger Schritt hin zu mehr Teilhabegerechtigkeit zurückgenommen. Junge Muslim:innen brauchen verlässliche Strukturen und eine nachhaltige Unterstützung und keine Projektförderung mit abruptem Ende“, erklärt Mariam Mehrsad (Vorstandsvorsitzende).

„Wir sprechen hier nicht nur über eine finanzielle Entscheidung, sondern über die Frage, ob muslimische Jugendverbände dauerhaft als Teil der Jugendverbandslandschaft anerkannt werden und sich auf Bundesebene beteiligen können.“ erklärt Taner Beklen (Co-Vorsitzender).

 

Die Forderungen der AGMJ

-  eine erneute Prüfung des Förderantrags,

-  die Entwicklung langfristiger und verlässlicher Förderstrukturen für muslimische Jugendverbände auf Bundesebene.

Strukturelle Gleichbehandlung darf kein Modellversuch bleiben.

 

 

Über die AGMJ

In der Arbeitsgemeinschaft muslimischer Jugendverbände (AGMJ) haben sich vier muslimische Jugendverbände zusammengeschlossen, um die Interessen junger Muslim:innen bundesweit zu vertreten und ihre politische und gesellschaftliche Teilhabe zu stärken. Zu den Jugendverbänden gehören die Engagierte Muslime Deutschland, JUMA, Muslimische Jugend in Deutschland und das Muslimische Jugendwerk.

 

Pressekontakt

Name: Meryem Can
Funktion: Ehrenamtlich
E-Mail: info@agmj-ev.de